REAL Revista Portuguesa de Estudos Alemães Open Journal System OJS

No 7 (2018)

Fremdsprachenunterricht und Philologien

Fremdsprachenunterricht und Philologien

Etwa seit dem Jahre 2000 lässt sich eine Tendenz an vielen portugiesischen und anderen Hochschulen feststellen: Sprachkurse finden regen Zulauf, aber die damit verbundenen Philologien klagen über einen Rückgang der Studierenden. Die Gründe dafür sind vielschichtig und nicht verallgemeinerbar, werden dochdie Studiengänge sogar in demselben Land oft sehr unterschiedlich strukturiert, und dass es nichteine Germanistik, Romanistik oder Anglisitk gibt, ist gewiss zutreffend. Die siebte Ausgabe der portugiesischen Germanistikzeitschrift REAL nimmt sich dieses Themas aus verschiedenen Blickwinkeln und Länderperspektiven an. Und auch wenn die Beiträge aus unterschiedlichen Ländern und Kontinenten stammen, wird doch deutlich, wie allgemein eine Reihe von Schwierigkeiten sind.

Den Auftakt bildet António Sousa Ribeiro von der Universität Coimbra mit seinem Beitrag über die Dauerkrise der Germanistik, eine Krise indes, die nicht zum Lamentieren verleiten sollte, sonder als Ausdruck der Selbstreflexivität der Geisteswissenschaften positiv gewendet werden kann.

Über das Verhältnis von Germanistik und universitärem Spracherwerb geht es in dem Beitrag von Andrea Riedel von der Universität Lissabon. Ihre Überlegungen zielen auf eine Umstrukturierung des universitären DaF-Unterrichts, der so erneuert auch die Germanistik unterstützt und Literatur schon auf Anfängerniveau berücksichtigt.

Luís Pimenta Lopes von der Universidade do Minho beschäftigt sich ebenfalls mit der Didaktik des DaF-Unterrichts an den portugiesischen Hochschulen. Die Universitäten des Landes können nicht mehr wie früher mit einem hohen Fremdsprachenniveau rechnen. Diese Situation führt zur Notwendigkeit einer Neubestimmung der Fremdsprachendidaktik.

Das Verhältnis Philologie vs. Studienbegleitender Deutschunterricht in der Auslandsgermanistik vor dem Hintergrund des ukrainischen Hochschulsystems wird in dem Beitrag von Anja Lange aus Kiew beleuchtet. Die momentan höhere Attraktivität des studienbegleitenden Deutschunterrichts erklärt die Autorin durch die besseren Berufsperspektiven gegenüber der klassischen Philologie.

Die Dozenten für deutsche Sprache Fatma Oukasha und Mohammed Salem Yosof von der Al-Azhar-Universität Kairo gehen der Bedeutung der Kulturvermittlung für den Spracherwerb in Ägypten und der arabischen Welt nach. Oukasha stellt dabei fest: „das vorhandene Modell des Germanistik-Studiums an den arabischen Germanistik-Abteilungen bietet diese Gelegenheit des tiefen interkulturellen Kennenlernens m.E. kaum.“ Und Salem Yosof zeigt anhand vieler Beispiele aus der Praxis die Schwierigkeiten, „die meisten sprachlichen und kulturellen Relationen so zu verstehen und zu erklären wie in der eigenen Muttersprache.“

Die nicht immer problemlose Beziehung zwischen Germanistik und Deutsch als Fremdsprache thematisiert Salifou Traoré von der Ramkhamhaeng-Universität Bangkok. Sein Beitrag kommt zu dem Schluss: „Während in der Binnengermanistik kein Konsens über die disziplinäre Zuordnung des neuen Faches Deutsch als Fremdsprache besteht, ist jenseits der deutschsprachigen Länder Deutsch als Fremdsprache als germanistisches Fach zu betrachten.“

Den Abschluss dieser Ausgabe bildet Andreas Reimanns Beitrag über Fremdsprachenforschung in Deutschland. Der Autor von der Universität Duisburg-Essen zeigt, wie sich vom 19. Jh bis heute das Verhältnis von Philologie und Fremdsprachendidaktik veränderte und letztere zu einer eigenständigen Teildisziplin wurde.

Eine eigenständige, von den germanistischen Abteilungen der Hochschulen definierte Didaktik für den Fremdsprachenbereich ist weiterhin ein Desiderat. Für den Fortbestand der Philologien, das wird in den hier versammelten Beiträgen deutlich, wäre ein Schulterschluss zwischen Fremdsprachendidaktik und Philologie gewiss von Bedeutung.

Die Redaktion der REAL möchte sich sehr herzlich bei folgenden Kollegen für ihre Hilfe bei der Herausgabe dieser Ausgabe bedanken: Bernd Sieberg, Clarisse Afonso, Filomena Guarda, Idalete Dias und Teresa Alegre.

Table of Contents

Artikel

António Sousa Ribeiro
Andrea Riedel
Luís Pimenta Lopes
Anja Lange
Mohammed Salem Yosof
Fatma Oukasha
Salifou Traoré
Daniel Reimann